Hunter Longe
*1985 in Kalifornien, lebt in Genf
Dissolution of the State II, 2026, Kalksteinbeton, Meersfossilien, Marmorsteine, Metallbecken, Salzsäure, Wasser, Dosierpumpe, Tropfbewässerungssystem
Self Healer I, 2026, römischer Beton (Branntkalk, Puzzolanische Vulkanasche, Kalksteinzement, Kies, Sand), Meeresfossilien, Eierschalen, Pumpen, Tropfbewässerungssystem
Fotos: Michel Gilgen
Hunter Longe zeigt 2026 mit den Arbeiten Dissolution of the State II und Self Healer I den zweiten Teil seines zweijährigen Projekts. Eine schwache Salzsäurelösung tropft auf ein Objekt aus Gussbeton und lässt es im Verlauf der Ausstellung langsam auflösen. Das kalziumreiche Abflusswasser des ersten Werks, zusätzlich mit Eierschalen angereichert, wird anschliessend über eine zweite Skulptur geleitet. Diese ist nach antiken römischen Betonrezepturen des 1. Jahrhunderts v. Chr. hergestellt und enthält Einschlüsse aus Branntkalk und Vulkanasche – Materialien, die bis heute auch in der Landwirtschaft Verwendung finden. Vermischt sich das Wasser mit dem Kalk im Inneren der Skulptur, reichert es sich weiter mit Kalzium an. Es dringt in Risse ein, verbindet sich dort mit Kohlenstoff aus der Atmosphäre und kristallisiert erneut aus. Dieser Prozess verleiht dem Beton eine „selbstheilende“ Eigenschaft und könnte ein Grund dafür sein, dass viele monumentale Bauwerke des antiken Roms bis heute bestehen.
Das während eines Aufenthalts am Istituto Svizzero in Rom entstandene Projekt ist zugleich inspiriert von Longes Erkundungen der karstigen Kalksteinformationen in den Voralpen südlich von Samstagern. Kalkstein ist ein Sedimentgestein, dessen Kalziumkarbonat aus den fossilen Überresten urzeitlicher Meeresorganismen stammt und als wichtiges Bindemittel in Beton wirkt. Die chemische Zersetzung von Kalkstein durch saures Wasser wird als Auflösung bezeichnet. Der Künstler überträgt diesen geologischen Prozess auf eine menschliche Zeitskala und spielt mit der doppelten Bedeutung des Begriffs Auflösung – als physischer und gesellschaftlicher Vorgang. Die Arbeit fragt danach, ob auch politische Strukturen wie Regierungen, Imperien und Hierarchien den Kräften der Erosion, des Zerfalls und zugleich der Erneuerung unterliegen.
Die Arbeit wurde realisiert mit Unterstützung von Pablo Stettler von Foli.Works; Kristina Grigorjeva und Camille Regli von Krone Couronne; Louis Guinchard von CCD SA Irrigation Systems; den Betonfertigteilherstellern von PRELCO; Christian Gonzenbach; Aio Frei; dem Istituto Svizzero di Roma; Pro Helvetia und République et Canton de Genève