Tradition als Ressource der Zukunft
Die Ausstellung TRADIcTION, kuratiert von Martin Blum, Carole Kambli und Sabine Rusterholz Petko, ist der zweite Teil des Ausstellungszyklus Expanded Fields und widmet sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit Traditionen und altem Wissen. Im Zentrum steht die Frage, wie dieses Wissen als lebendige Ressource für aktuelle und zukünftige Herausforderungen wirksam werden kann. Angesichts ökologischer Krisen, fragiler Versorgungssysteme und erschöpfter Böden rückt ein Wissen in den Fokus, das über Generationen durch Praxis, Beobachtung und Beziehung zur Umwelt entstanden ist.
Traditionelles Wissen zeigt sich in Handlungen, Rhythmen und Materialien, in gepflegten Böden, weitergegebenen Samen und sich wandelnden Geschichten. Es wird nicht als statisch verstanden, sondern als dynamischer Prozess, der sich anpasst, weitergetragen und neu interpretiert werden kann.
Im Spannungsfeld zwischen Rückzug in konservative Sicherheiten und Zukunftsängsten durch Beschleunigung und Digitalisierung untersucht die Ausstellung dieses Wissen als spekulatives Potenzial für neue Zukunftsentwürfe. Landwirtschaft erscheint dabei nicht nur als ökonomische Praxis, sondern als kultureller Akt von Verantwortung und Fürsorge. Gesunde Böden verweisen auf Vielfalt, komplexe Netzwerke und die Erkenntnis, dass Stabilität aus Diversität entsteht.
Die Ausstellung versammelt künstlerische und forschende Positionen zu tradierten Produktionsweisen, alternativen Wirtschaftsformen, gemeinschaftlichen Modellen und regenerativen Ansätzen. Sie fragen, wie Wissen weitergegeben werden kann, ohne es zu vereinnahmen, und wie sich Traditionen aktivieren lassen, ohne sie zu romantisieren.
TRADIcTION versteht traditionelles Wissen nicht als Gegenentwurf zur Moderne, sondern als Korrektiv. Es eröffnet andere Zeitlichkeiten und Massstäbe und macht sichtbar, dass jede Handlung ökologische und soziale Spuren hinterlässt. Die Ausstellung lädt dazu ein, dominante Fortschrittsnarrative zu hinterfragen und nachhaltige Formen des Zusammenlebens neu zu denken.